Auch bezeichnet als: Niacin, Nicotinsäure, Nicotinamid, Niacinamid
Niacin umfasst Nicotinsäure und Nicotinamid. Beide gehören zu Vitamin B3, unterscheiden sich aber deutlich bei Wirkung und Verträglichkeit hoher Dosierungen.
Namen und mögliche Verwechslungen
Vitamin PP ist eine ältere Bezeichnung für Niacin, also Vitamin B3. Sie geht auf den Schutz vor der Mangelerkrankung Pellagra zurück. Zu Niacin zählen Nicotinsäure und Nicotinamid. Diese Formen unterscheiden sich bei hohen Mengen deutlich in ihren unerwünschten Wirkungen; die Namen sollten auf dem Etikett nicht übergangen werden.
Aufgaben im Körper
Niacin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute bei.
Mengen und Orientierung
Die DGE empfiehlt Erwachsenen ab 19 Jahren je nach Alter 14–16 mg Niacinäquivalente täglich für Männer und 11–13 mg für Frauen. Gemeint ist die gesamte Versorgung, keine zusätzliche Kapseldosis. 1 mg Niacinäquivalente (NE) entspricht 1 mg Niacin oder rechnerisch 60 mg Tryptophan, aus dem der Körper Niacin bilden kann.
Die 16 mg auf dem Etikett sind der einheitliche EU-Kennzeichnungsreferenzwert (NRV). „100 % NRV“ beschreibt weder deinen individuellen Zusatzbedarf noch eine persönliche Sicherheitsgrenze. Für Schwangerschaft und Stillzeit gelten eigene Zufuhrempfehlungen.
Formen im Supplement
Nicotinsäure kann einen Flush mit Wärmegefühl, Hautrötung und Juckreiz auslösen. Nicotinamid, auch Nicotinsäureamid oder Niacinamid genannt, verursacht diesen typischen Flush normalerweise nicht. Hohe Mengen können trotzdem schaden.
Steht vorne nur „Niacin“, prüfe zusätzlich die Zutatenliste und die Menge pro empfohlener Tagesportion. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 4 mg Nicotinsäure beziehungsweise 160 mg Nicotinamid pro Tagesportion eines Produkts vor. Das sind Vorschläge für Produktmengen, keine Einnahmeempfehlungen und keine gesetzlich festgelegten Höchstmengen. Sie sind nicht als Dosierung für Kinder zu verwenden.
Einnahme
Die Einnahme zu einer Mahlzeit kann Magenbeschwerden vermindern. Retard- oder Hochdosisprodukte sollten nicht nach eigenem Ermessen eingesetzt werden.
Kombinationen
Niacin steckt häufig in B-Komplexen und Multivitaminen. Gesamtmengen aus mehreren Produkten sollten addiert werden.
Wechselwirkungen
Hoch dosiertes Niacin kann mit Arzneimitteln und Erkrankungen zusammenwirken, die Leber, Blutzucker, Harnsäure oder Blutdruck betreffen.
Verträglichkeit
Nicotinsäure kann Wärmegefühl, Rötung, Juckreiz und Blutdruckabfall auslösen. Nicotinamid kann in hohen Dosen Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Überdosierung
Die europäischen Bewertungen nennen für Erwachsene formabhängige Obergrenzen der langfristigen Zufuhr: 10 mg freie Nicotinsäure beziehungsweise 900 mg Nicotinamid täglich. Freie Nicotinsäure ist dabei von den gebundenen Niacinformen in üblichen Lebensmitteln zu unterscheiden. Die 900 mg Nicotinamid sind keine zusätzliche Freimenge neben der Ernährung.
Diese Werte sind keine Zieldosen und lassen sich mangels ausreichender Daten nicht auf Schwangerschaft und Stillzeit übertragen. Hohe Dosen können die Leber schädigen sowie Blutzucker und Harnsäure verändern. Das Risiko hängt auch von der Form und der Einnahmedauer ab; besondere Vorsicht gilt bei Retardpräparaten.
Nicht unkritisch einnehmen
Ein Niacinmangel ist in Deutschland selten. Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt die empfohlenen Mengen normalerweise ab. Bei einer Erkrankung, ausgeprägter Mangelernährung oder gestörter Nährstoffaufnahme kann eine gezielte Abklärung sinnvoll sein. Müdigkeit allein belegt keinen Niacinmangel.
Hoch dosiertes Niacin zur Beeinflussung von Blutfetten gehört nicht in die Selbstbehandlung. Ein Flush ist kein Nachweis für eine positive Wirkung. Für Präparate mit mehr als 16 mg Nicotinamid pro Tagesportion empfiehlt das BfR einen Hinweis, dass Schwangere auf die Einnahme verzichten sollen.
Labor und fachliche Abklärung
Ein routinemäßiger Niacinstatus wird selten bestimmt. Bei Hochdosistherapie sind unter anderem Leber- und Stoffwechselwerte fachlich zu überwachen.
Lebensmittelquellen
Fleisch, Fisch, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Pilze liefern Niacin. Der Körper kann einen Teil aus der Aminosäure Tryptophan bilden.
Quellen und ihr Bezug: Die Linktexte nennen, welche Frage die jeweilige Quelle behandelt. Ergebnisse zu bestimmten Zubereitungen oder Personengruppen gelten nicht automatisch für andere Produkte. Allgemeine Behördeninformationen erklären den Rahmen und belegen keine konkrete Wirkung.
- ANSES: Niacin und die ältere Bezeichnung Vitamin PP
- BfR: Unterschiede zwischen Nicotinsäure, Nicotinamid und weiteren Niacinformen
- DGE: Niacin, Zufuhrempfehlungen nach Alter und Erklärung der Niacinäquivalente
- DGE: Niacinversorgung, Lebensmittel und seltene Mangelsituationen
- EFSA: Übersicht der tolerierbaren Obergrenzen, Tabelle 3; formabhängige Niacinwerte und Einschränkungen
- NIH ODS: Niacinformen, Flush und Risiken hoher Mengen; US-Grenzwerte sind nicht die europäischen Grenzwerte
- BfR: Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln
- BVL: Nahrungsergänzungsmittel
- EU-Richtlinie 2002/46/EG
- EU-Verordnung 1169/2011: Kennzeichnungsreferenzwerte
- EFSA: Übersicht der tolerierbaren Obergrenzen
Markenhinweis: Dieser Lexikoneintrag beschreibt Stoffe und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Markenprodukt. Vitale Säulen ist im getrennten, als Werbung gekennzeichneten Bereich „Vitalstoffe“ Natura-Vitalis-Vertriebspartner. Rechte an genannten Marken liegen bei ihren Inhabern.
Bezeichnungen und ergänzende Angaben geprüft: 07.10.2026
Redaktioneller Stand: 10.10.2026